Vollversammlung und Wahlen 2026: Jägerschaft zeigt Geschlossenheit und Verantwortung

Rund 150 Jägerinnen und Jäger kamen zur Hauptversammlung der Jägervereinigung Enzkreis/Pforzheim – Nachwuchsarbeit, Naturschutz, Stadtjägerei und Wildtiermanagement im Mittelpunkt.

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Rund 150 Jägerinnen und Jäger kamen zur diesjährigen Hauptversammlung der Jägervereinigung Enzkreis/Pforzheim im Schützenhaus Pforzheim zusammen. Kreisjägermeister Dieter Krail eröffnete die gut besuchte Versammlung und begrüßte neben den Mitgliedern auch zahlreiche Gäste aus Politik, Verwaltung, Forst und Schützenwesen. Nach dem Gedenken an die verstorbenen Jagdkameraden standen der Rückblick auf ein arbeitsreiches Jagdjahr, die Neuwahlen sowie aktuelle Fragen rund um Wald, Wild und Gesellschaft im Mittelpunkt.

In den Grußworten wurde deutlich, welche Bedeutung die Jägerschaft für die Region hat. Dr. Hans-Ulrich Rülke würdigte die Leistungsfähigkeit der Jägerinnen und Jäger im Stadtkreis Pforzheim und im Enzkreis. Auch vom Landratsamt wurde der Wille zur Zusammenarbeit betont: Waldeigentümer, Förster und Jäger hätten unterschiedliche Perspektiven, aber ein gemeinsames Ziel – den Erhalt gesunder Wälder und artenreicher Lebensräume. Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels könne die Entwicklung klimastabiler Wälder nur im Miteinander gelingen.

Kreisjägermeister Dieter Krail berichtete anschließend über die vielfältigen Aufgaben der Jägervereinigung. Besonders erfreulich entwickelte sich erneut die Ausbildung des jagdlichen Nachwuchses. 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer absolvierten den Jungjägerkurs des vergangenen Jahres erfolgreich; alle konnten am Ende die Jägerprüfung bestehen. Die neuen Jungjägerinnen und Jungjäger traten der Jägervereinigung bei und haben nahezu alle bereits Jagdgelegenheit gefunden. Auch der laufende Kurs ist mit 19 Anwärterinnen und Anwärtern, darunter vier Frauen, gut besetzt.

Ein sichtbares Zeichen jagdlicher Tradition und Gemeinschaft war die Hubertusfeier im Weltkulturerbe Maulbronn. Die voll besetzte Kirche, die feierliche musikalische Umrahmung durch Jagdhornbläsergruppen und die Übergabe der Jägerbriefe mit Jägerschlag machten die Veranstaltung zu einem Höhepunkt des Vereinsjahres. Auch die fünf Hegeringe der Jägervereinigung waren mit Versammlungen, Fuchswochen, Waldweihnacht, Schießveranstaltungen und weiteren Terminen aktiv. Bei den Hegeringversammlungen waren regelmäßig Forstverwaltungen, Veterinärämter und die untere Jagdbehörde vertreten – ein Zeichen für die gewachsene und vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Einen hohen Stellenwert nimmt weiterhin das Jagdhundewesen ein. Der zweite Hundekurs zur Erlangung der Brauchbarkeit wurde erfolgreich abgeschlossen; alle ausgebildeten Jagdhunde bestanden die Prüfung. Auch der diesjährige Kurs ist bereits angelaufen. Die Bedeutung gut ausgebildeter Hunde zeigte sich besonders im Bericht der anerkannten Nachsuchengespanne. Im abgelaufenen Jagdjahr wurden 248 Nachsuchen durchgeführt, überwiegend auf Schwarz- und Rehwild. Diese Arbeit dient dem Tierschutz, der Verkehrssicherheit und der waidgerechten Jagdausübung. Für ihren langjährigen, unermüdlichen Einsatz wurden die scheidenden Nachsuchenführer Dr. Jürgen Kugel und Andreas Birkenmaier besonders gewürdigt. Das Nachsuchenteam wird künftig durch Michael Bruder, Johannes Hellstern und Steven Pohl fortgeführt.

Auch die Stadtjägerei wurde als wichtige Aufgabe hervorgehoben. Stadtjäger helfen Bürgerinnen und Bürgern bei Problemen mit Wildtieren im Siedlungsraum und tragen damit wesentlich zu einem positiven Bild der Jägerschaft in der Öffentlichkeit bei. Gerade in Zeiten, in denen Wildtiere immer häufiger in Städten und Gemeinden wahrgenommen werden, ist fachkundige Hilfe vor Ort gefragt.

Der jagdliche Jahresbericht machte zugleich deutlich, dass Jägerinnen und Jäger Verantwortung für Wildbestände und Lebensräume übernehmen. Der Rehwildabschuss hat sich auf hohem Niveau stabilisiert; dies bleibt ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung klimastabiler Wälder. Beim Niederwild bleibt die Lage angespannt, während invasive Arten wie Nilgans und Waschbär weiter zunehmen. Besonderes Interesse weckte zudem der Luchs „Portus“, der im Raum Pforzheim nachgewiesen und später besendert wurde. Der Fachvortrag von Klaus Lachenmaier, Wildbiologe des Landesjagdverbands, griff diese Themen auf und gab einen Überblick über aktuelle Entwicklungen beim Wildtiermanagement in Baden-Württemberg – vom Wolf über Luchs und Neozoen bis zu Grünbrücken für wandernde Wildarten.

Bei den Neuwahlen zeigte sich die Geschlossenheit der Jägervereinigung. Dieter Krail wurde einstimmig als Kreisjägermeister bestätigt, ebenso Jürgen Förschler als stellvertretender Kreisjägermeister und Stefan Kretz als Schatzmeister. Mark Schönmetzler wurde zum neuen Schriftführer gewählt. Auch zahlreiche Obleute wurden bestätigt oder neu gewählt. Die Versammlung beschloss zudem ohne Gegenstimmen eine Anpassung des Mitgliedsbeitrags, um gestiegene Abgaben und die finanzielle Stabilität der Vereinsarbeit weiterhin sicherzustellen.

Ein feierlicher Bestandteil der Versammlung waren die Ehrungen langjähriger und verdienter Mitglieder. Für 60 Jahre Mitgliedschaft wurden Gerhard Scheider aus Ötisheim und Werner Burckhart aus Pforzheim ausgezeichnet. Für 50 Jahre Mitgliedschaft geehrt wurden Ulrich Arentowicz, Dieter Arnold, Alfred Barth, Roland Fuchs, Herbert Wanitschek, Kurt Stähle, Erhard Weber, Bernd Gölz, Dieter Balduf, Klaus-Peter Schliffka und Bernd Schmitt. Weitere Auszeichnungen gingen unter anderem an Franz Schneider mit dem Rehbock in Silber, an Guido Wölfle mit der Verdienstmedaille der Jägervereinigung in Gold sowie an Stefan Kretz und Siegfried Albrecht mit der Silbernen Auszeichnung des Landesjagdverbands.
 

Am Ende stand das klare Bild einer starken, engagierten und geeinten Jägerschaft: Die Jägervereinigung Enzkreis/Pforzheim verbindet jagdliche Tradition mit moderner Verantwortung für Wald, Wild, Natur und Gesellschaft. Mit Nachwuchsarbeit, Hundewesen, Nachsuche, Stadtjägerei und enger Zusammenarbeit mit Behörden und Forst zeigt sie, dass Jagd weit mehr ist als das Geschehen im Revier – sie ist aktiver Einsatz für die Region.