Zum Rahmen des Tages gehörten neben den Fachvorträgen auch Gruß- und Begleitworte aus Stadt und Region, darunter Beiträge des Bürgermeisters von Schwäbisch Gmünd sowie von Martin Lang, Kreisjägermeister von Schwäbisch Gmünd. Sichtbar wurde dabei auch, wie sehr sich die Jagd verändert: In mehreren Beiträgen wurde auf den wachsenden Anteil von Frauen in der Jagd hingewiesen; aktuelle DJV-Zahlen zeigen, dass der Frauenanteil in der Jungjägerausbildung zuletzt bei 29 Prozent lag.
Grußwort des Deutschen Jagdverbands
Den Auftakt prägte das Grußwort von Helmut Dammann-Tamke, Präsident des Deutschen Jagdverbands. Er sprach über aktuelle Entwicklungen im Waffenrecht, über Fragen der öffentlichen Sicherheit und über die jagdliche Ausbildung in Deutschland.
Kritisch setzte sich Dammann-Tamke mit Forderungen auseinander, die Zahl der Langwaffen bei Jägerinnen und Jägern zu begrenzen. Ein solcher Ansatz schaffe keinen echten Sicherheitsgewinn, da illegale Waffenmärkte das eigentliche Problem seien und rechtmäßig verwahrte Jagdwaffen nicht im Zentrum solcher Gefährdungslagen stünden.
Ebenso deutlich äußerte er sich zur jagdlichen Ausbildung. Kritisch bewertete er stark unterschiedliche Ausbildungs- und Prüfungsordnungen der Bundesländer sowie kurze Ausbildungsmodelle mit faktischer Bestehensgarantie; gefordert wurden bundesweit vergleichbare und qualitativ hohe Standards für Ausbildung und Prüfung.
Aktuelle Jagdpolitik
Mit Marion Gentges MdL, Ministerin für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat Baden-Württemberg, rückte anschließend die aktuelle Jagdpolitik des Landes in den Mittelpunkt. In ihrer Rede verband sie einen persönlichen Zugang zur Jagd mit klaren Aussagen zu Wald, Wildtiermanagement und geschützten Arten.
Gentges beschrieb Jagd als unverzichtbaren Bestandteil nachhaltiger Landnutzung. Sie betonte, dass Jagd nicht nur Wildbestände gestaltet, sondern auch dazu beiträgt, dass sich Wälder verjüngen, Lebensräume entwickeln und klimaresilient umgebaut werden können. Mit Blick auf Trockenschäden, Borkenkäfer und den klimabedingten Wandel der Wälder unterstrich sie, dass aktiver Waldumbau eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei, die nur gemeinsam von Waldbesitzern, Förstern und Jägern bewältigt werden könne.
Ein wichtiger Schwerpunkt ihrer Rede war das Rotwild. Sie verwies auf das Ende des pauschalen Abschussgebots für wandernde männliche Hirsche und betonte die Bedeutung genetischer Vernetzung, geeigneter Wanderkorridore, Hegegemeinschaften und eines begleitenden Monitorings für gesunde Rotwildpopulationen in Baden-Württemberg.
Auch beim Umgang mit geschützten Arten positionierte sie sich klar. Für den Biber und die Saatkrähe sprach sie sich angesichts gesicherter Bestände und zunehmender Konflikte mit Landnutzung für praktikablere Managementlösungen aus; beide Arten sollen im Rahmen der Koalitionsvereinbarungen in Richtung Jagd- und Wildtiermanagementgesetz weitergedacht werden.
Zum Wolf machte die Ministerin deutlich, dass nach zumutbaren Herdenschutzmaßnahmen künftig der Wolf weichen müsse, wenn er weiterhin Schäden verursacht. Geplante professionelle Entnahmeteams seien dabei auf Ortskenntnis, Wildkameras und Kooperation der Jägerschaft angewiesen.
Ein weiteres Thema war die Nachsuche mit anerkannten Gespannen. Hier kündigte Gentges an, nach festgestelltem Missbrauch bestehender Förderregelungen einen gangbaren Weg zu suchen, der sowohl die notwendige Verfügbarkeit geeigneter Gespanne als auch einen verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Mitteln gewährleistet.
Jagdpolitische Ausführungen des Landesjägermeisters
Im Anschluss folgten die jagdpolitischen Ausführungen von Dr. Jörg Friedmann, Landesjägermeister des Landesjagdverbands Baden-Württemberg. Sein Beitrag verband aktuelle politische Forderungen mit grundlegenden Überlegungen zu Wild, Wald und einem ausgewogenen Wildtiermanagement.
Zu Beginn ordnete Friedmann die politische Lage nach der Landtagswahl ein und betonte die Bedeutung des zuständigen Ministeriums für die Zukunft von Jagd, Wild und Natur in Baden-Württemberg. Positiv hob er Formulierungen aus dem Koalitionsvertrag hervor, etwa zur Nutzung der Potenziale der Naturverjüngung, zu Prozessschutzflächen im Staatswald und zur Weiterentwicklung eines gezielten Wildtiermanagements.
Ein wesentlicher Schwerpunkt lag auf dem Verhältnis von Wild und Wald unter den Bedingungen des Klimawandels. Friedmann warb für ein Wildwald-Bewusstsein, das nicht auf pauschalen Jagddruck setzt, sondern auf einen ausgewogenen Interessenausgleich zwischen Jägerschaft, Waldbesitz, Landwirtschaft, Naturschutz und Gesellschaft.
Besonders ausführlich behandelte er das Rotwildmanagement. Gefordert wurden eine bessere genetische Vernetzung der Populationen, ein wissenschaftlich fundiertes Monitoring, die Schonung junger Hirsche und ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis als Grundlage für eine tragfähige Weiterentwicklung des Rotwilds in Baden-Württemberg.
Darüber hinaus sprach Friedmann zahlreiche weitere Themen an, darunter Sikawild, Gams, Wolf, Luchs, Goldschakal, Auerwild, Biber, Saatkrähe und Niederwildarten. Durchgängig plädierte er für praxistaugliche, wissensbasierte und rechtssichere Lösungen, die die tatsächlichen Verhältnisse im Revier ernst nehmen.
Auch Tierschutzfragen wurden aufgegriffen. Genannt wurden unter anderem kommunale Katzenschutzverordnungen, die drohnengestützte Jungtierrettung und Fragen des Nachsuchewesens, verbunden mit dem Appell, bürokratische Hemmnisse abzubauen.
Zum Schluss widmete sich Friedmann ausführlich dem Waffenrecht und der Zukunft der Schießstätten. Er forderte eine landesweit einheitliche, rechtssichere und praxistaugliche Auslegung des Waffenrechts, wandte sich gegen zusätzliche Belastungen für rechtstreue Waffenbesitzer und betonte, dass Umbau und Finanzierung der Schießstätten angesichts kommender EU-Regelungen frühzeitig gesichert werden müssten.
Impulsvortrag: Jägerseele
Mit dem Impulsvortrag „Jägerseele – Erfahrungen eines waidgerechten Rehwildjägers“ sprach Bertram Graf von Quadt zu Wykradt und Isny, Journalist, Hörfunkmoderator und Autor bekannter Jagdbücher. Vielen Jägerinnen und Jägern ist er unter anderem als Autor des Buches „Blattjagd“ bekannt. Der Vortrag war persönlich gehalten und kreiste um die Frage, was Waidgerechtigkeit heute im praktischen Handeln bedeutet.
Bertram Graf von Quadt zu Wykradt und Isny beschrieb Waidgerechtigkeit als Zusammenspiel von Können, Dürfen und Verantwortung. Fachliches Wissen, rechtlicher Rahmen und die Fähigkeit, das eigene Handeln vor sich selbst zu rechtfertigen, wurden als drei untrennbare Ebenen jagdlicher Haltung herausgearbeitet.
Anhand persönlicher Beispiele machte er deutlich, dass waidgerechte Jagd nicht nur im richtigen Schuss besteht, sondern auch im bewussten Verzicht. Nicht alles, was erlaubt und möglich ist, müsse auch getan werden; gerade in dieser Abwägung zeige sich jagdliche Reife.
Ein Teil des Vortrags widmete sich seinen früheren Vorurteilen gegenüber der jungen Jägergeneration und insbesondere gegenüber den wenigen Jägerinnen und Jägern, die heute als Influencer auftreten. Nach eigenen Erfahrungen, etwa im direkten Austausch mit dieser Szene, kam er zu dem Schluss, dass viele junge Jägerinnen und Jäger fachlich sehr versiert sind – und dass die große Mehrheit schlicht engagierte Jungjägerinnen und Jungjäger ohne Social-Media-Auftritt ist. Zugleich erinnerte er daran, dass auch ältere Generationen in ihren Anfangsjahren Fehler machten und daraus lernen mussten, sodass sich die heutige Jungjägergeneration an denselben Maßstäben messen lassen darf, aber nicht pauschal schlechter oder weniger waidgerecht sei. Daraus leitete er die Forderung ab, eigene Vorurteile zu hinterfragen und sich nicht hinter Schlagworten oder Schubladenbildern zu verstecken.
Impulsvortrag: Jagen mit Sinn und Verstand
Der folgende Programmpunkt war der Impulsvortrag „Jagen mit Sinn und Verstand“ von Felix Kuvert, Forstassessor und Influencer. Dabei ging es um die Frage, wie Revierkonzepte unter den Bedingungen von Klimawandel, Wildbiologie und praktischer Jagdausübung entwickelt werden können.
Teil des Formats war eine konkrete Aufgabe für das Publikum. Für ein beispielhaftes Gemischtrevier aus Wald- und Feldflächen sollten Überlegungen zur Reviergestaltung entwickelt werden, etwa zur Platzierung von Sitzen, Bejagungsschwerpunkten, Salzlecken, Biotopen und Drückjagdböcken, auch unter Berücksichtigung von Kalamitätsflächen.
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass sich ein Revier nicht allein am Schreibtisch sinnvoll planen lässt, wenn die tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort noch nicht bekannt sind. Dieser Gedanke prägte die Debatte über Theorie und Praxis in der Jagd und führte zu der Einsicht, dass verantwortungsvolle Entscheidungen nur mit echter Revierkenntnis getroffen werden können.
Felix Kuvert zeigte beispielhaft auf, wie ein solches Revier unter jagdpraktischen und wildbiologischen Gesichtspunkten gedacht werden kann. Sichtbar wurde damit das Spannungsverhältnis zwischen theoretischer Planung und praktischer Erfahrung, das diesen Programmteil prägte.
Delegiertenversammlung
Im Anschluss an die Redebeiträge fand die Delegiertenversammlung statt. Nach den vorliegenden Angaben nahmen daran insgesamt 350 Delegierte teil, darunter vier stimmberechtigte Delegierte der Jägervereinigung Enzkreis Pforzheim.
Ein Tag zwischen Politik, Praxis und Haltung
Der Landesjägertag 2026 zeigte, wie eng politische Entscheidungen, praktische Revierarbeit und jagdliche Haltung miteinander verbunden sind. Die Beiträge reichten von sehr konkreten Forderungen zum Waffenrecht und zum Wildtiermanagement bis zu grundlegenden Überlegungen zur Waidgerechtigkeit, Revierplanung und Verantwortung. Der Landesjägertag in Schwäbisch Gmünd machte deutlich, dass die Zukunft der Jagd in Baden-Württemberg nicht nur in Gesetzen und Verordnungen entschieden wird, sondern ebenso in Ausbildung, Revierarbeit und täglicher Verantwortung im Umgang mit Wild und Landschaft.


